Johann Georg August Wirth

#1 von Zaehnchen , 30.09.2010 09:08

Johann Georg August Wirth

Johann Georg August Wirth, 1798 in Hof geboren, war ein politischer Schriftsteller des Vormärz. Er studierte Jura Erlangen und war dort Mitglied im Corps Franconia. Nach dem Scheitern seiner Karriere als Jurist zog er 1831 nach München, wo er als Redakteur der regierungstreuen Zeitschrift "Das Inland" arbeitete. Wegen seiner kritischen Texte musste der Verleger Cotta ihr Erscheinen einstellen, und Wirth gründete seinen eigene Zeitschrift, die "Deutsche Tribüne", deren kritische Texte immer wieder die politische Zensur auf den Plan riefen. Schon 1832 wurde seine Zeitschrift vom Bundestag verboten, im Mai desselben Jahres organisierte Wirth das Hambacher Fest mit. Er wurde zusammen mit Philipp Jakob Siebenpfeiffer verhaftet und in einem Hochverratsprozess jedoch freigesprochen. Kurz darauf wurden Wirth und Siebenpfeiffer allerdings wegen Behördenbeleidigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Während Siebenpfeiffer in die Schweiz entkam, musste Wirth seine Haft in Kaiserslautern absitzen. Nach seiner Freilassung wurde er unter Polizeiaufsicht gestellt, floh aber 1836 nach Frankreich und von dort in die thurgauische Schweiz. 1840 gab er die in Konstanz erscheinende "Deutsche Volkshalle" heraus und verfasste eine "Geschichte der Deutschen". 1847 zog er nach Karlsruhe. Als Abgeordneter des Fürstentums Schleiz-Lobenstein wurde Johann Georg August Wirth in die deutsche Nationalversammlung gewählt, starb jedoch am 26. Juli 1848, kurz nach ihrer Eröffnung in der Frankfurter Paulskirche.

Quelle: http://www.perlentaucher.de/autoren/2224...gust_Wirth.html


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zuletzt bearbeitet 30.09.2010 | Top

RE: Johann Georg August Wirth

#2 von Zaehnchen , 30.09.2010 09:10

Hier eine Rede von ihm auf dem Hambacher Fest:

Rede von Johann Georg August Wirth auf dem Hambacher Fest 1832
Das Land, das unsere Sprache spricht, das Land, wo unsere Hoffnung wohnt, wo
unsere Liebe schwelgt, wo unsere Freuden blühen, das Land, wo das Geheimnis aller unserer
Sympathien und all’ unserer Sehnsucht ruht, dieses schöne Land wird verwüstet und
geplündert, zerrissen und entnervt, geknebelt und entehrt. Reich an allen Hülfsquellen der
Natur sollte es für alle seine Kinder die Wohnung der Freude und der Zufriedenheit seyn,
allein ausgesogen von 34 Königen, ist es für die Mehrzahl seiner Bewohner der Aufenthalt
des Hungers, des Jammers und des Elends. Deutschland, das große, reiche, mächtige
Deutschland, sollte die erste Stelle einnehmen in der Gesellschaft der europäischen Staaten,
allein beraubt durch verräterische Aristokratenfamilien, ist es aus der Liste der europäischen
Reiche gestrichen und der Verspottung des Auslandes Preiß gegeben. Berufen von der Natur,
um in Europa der Wächter des Lichts, der Freiheit und der völkerrechtlichen Ordnung zu
seyn, wird die deutsche Kraft gerade umgekehrt zur Unterdrückung der Freiheit aller Völker
und zur Gründung eines ewigen Reiches der Finsterniß, der Sklaverei und der rohen Gewalt
verwendet. So ist denn das Elend unseres Vaterlandes zugleich der Fluch für ganz Europa.
Spanien, Italien, Ungarn und Polen sind Zeuge davon. Spanien ist durch die heilige Allianz,
welche ihre Stütze ausschließend in Deutschland hatte, einer auf Aufklärung, Menschlichkeit
und Vernunft gebauten Staatsverfassung, sowie seiner patriotischen Cortes beraubt und unter
das Messer fanatischer Priester und Aristokraten, sowie des Regime des Unsinnes und der
Grausamkeit überhaupt zurückgeführt worden. Ungarn und Italien werden von Oesterreich
mit Hülfe deutscher Kräfte ihrer Nationalität beraubt und in Knechtschaft und Finsterniß
gehalten. Polen ist zu wiederholtenmalen von deutschen Mächten verrathen worden, und hat
den Verlust der Freiheit und des Vaterlandes auch in neuerer Zeit einem deutschen Könige zu
verdanken. Die Ursache der namenlosen Leiden der europäischen Völker liegt einzig und
allein darin, dass die Herzoge von Oesterreich und die Kurfürsten von Brandenburg den
größten Theil von Deutschland an sich gerissen haben, und unter dem Titel der Kaiser von
Oesterreich und der Könige von Preußen nicht nur ihre eigenen, durch methodische
Plünderung Deutschlands erworbenen Länder, nach orientalischen Formen beherrschen und
deren Kräfte zur Unterdrückung der Freiheit und Volkshoheit der europäischen Nationen
verwenden, sondern auch ihr Uebergewicht über die kleineren Länder Deutschlands benützen,
um auch die Kräfte dieser dem Systeme fürstlicher Alleinherrschaft und despotischer Gewalt
dienstbar zu machen. Bei jeder Bewegung eines Volkes, welche die Erringung der Freiheit
und einer vernünftigen Staatsverfassung zum Ziele hat, sind die Könige von Preußen und
Oesterreich durch Gleichheit der Zwecke, Gesinnungen und Interessen an Russland geknüpft,
und so entsteht jener furchtbare Bund, der die Freiheit der Völker bisher immer noch zu
tödten vermochte. Die Hauptmacht dieses finsteren Bundes besteht immer aus deutschen
Kräften, da Rußland ohne die Allianz mit Preußen und Oesterreich ohnmächtig wäre und
durch innere Stürme in Zerrüttung fallen würde. So riesenhaft daher die Macht des absoluten
Bundes auch seyn mag, so ist ihr Ende doch in dem Augenblicke gekommen, wo in
Deutschland die Vernunft auch in politischer Beziehung den Sieg erlangt, d.h. in dem
Augenblicke, wo die öffentlichen Angelegenheiten nicht mehr nach dem despotischen Willen
eines Einzigen, nicht mehr nach den Interessen einer über ganz Europa verzweigten
Aristokratenfamilie, sondern nach dem Willen der Gesellschaft selbst und nach den
Bedürfnissen des Volkes geleitet werden. In dem Augenblicke, wo die deutsche Volkshoheit
in ihr gutes Recht eingesetzt seyn wird, in dem Augenblicke ist der innigste Völkerbund
geschlossen, denn das Volk liebt, wo die Könige hassen, das Volk vertheidigt, wo die Könige
verfolgen, das Volk gönnt das, was es selbst mit seinem Herzblut zu erringen trachtet, und,
was im das Theuerste ist, die Freiheit, Aufklärung, Rationalität und Volkshoheit, auch dem
Brudervolke: das deutsche Volk gönnt daher diese hohen, unschätzbaren Güter auch seinen
Brüdern in Polen, Ungarn, Italien und Spanien. Wenn also das deutsche Geld und das
deutsche Blut nicht mehr den Befehlen der Herzoge von Oesterreich und der Kurfürsten von
Brandenburg, sondern der Verfügung des Volkes unterworfen sind, so wird Polen, Ungarn
und Italien frei, weil Russland dann der Ohnmacht verfallen ist und sonst keine Macht mehr
besteht, welche zu einem Kreuzzuge gegen die Freiheit der Völker verwendet werden könnte.
Der Wiederherstellung des alten, mächtigen Polens, des reichen Ungarns und des blühenden
Italiens folgt von selbst die Befreiung Spaniens und Portugals und der Sturz des unnatürlichen
englischen Uebergewichts. Europa ist wiedergeboren und auf breiten natürlichen Grundlagen
dauerhaft organisiert. Freiheit des Welthandels ist die köstliche materielle Frucht und
unaufhaltsames Fortschreiten der Zivilisation der außer jeder Berechnung liegende geistige
Gewinn eines solchen Weltereignisses. Die reichen Länder der europäischen Türkei werden
dann nicht länger den Feinden aller Kultur überlassen bleiben, weil die Eifersucht einer
schwachköpfigen und engherzigen Politik diese herrlichen Provinzen einem civilisirten Volke
nicht gönnt. Man wird sie vielmehr der Civilisation wiedergeben, Constantinopel durch
Umschaffung in eine freie Stadt und einen freien Hafen in einen allmächtigen Hebel des
europäischen Handels verwandeln, die Hülfsquellen Afrika’s für Europa eröffnen, und dann
den großen Menschenfreund, den Handel gewähren lassen, daß er seine unendlichen Gaben
und unerschöpflichen Schätze über die Völker Europa’s ausschütte und zugleich alle Nationen
zu ewig neuen Fortschritten in der Civilisation ansporne. Unermeßlich sind die Folgen der
Befreiung Europa’s, unermeßlich schon in Ansehung der Emporhebung und gleichmäßigen
Verbreitung des Wohlstandes und unermeßlich vollends in Ansehung der geistigen
Fortschritte. Und alle diese unendlichen Triumphe des menschlichen Geschlechts, all’ diese
unermeßlichen Segnungen sollten den Völkern Europa’s blos darum vorenthalten werden,
damit ein paar unverständige Knaben fortwährend die Königsrolle erben können? Wahrlich,
ich sage euch, giebt es irgend Verräther an den Völkern und an dem gesammten
Menschengeschlechte, giebt es irgend Hochverräther, so wären es die Könige, welche der
Eitelkeit, der Herrschsucht und der Wollust willen die Bevölkerung eines ganzen Welttheils
elend machen und dieselbe durch empörende Unterdrückung Jahrhunderte hindurch hinder, zu
dem ihr von Natur bestimmten Zustande von materieller Wohlfart und geistiger Vollendung
sich aufzuschwingen. Fluch, ewigen Fluch darum allen solchen Verräthern!
Es ist einleuchtend, daß unter den bemerkten Umständen die Reform Deutschland, als die
Basis der Reorganisation Europa’s, eine große gemeinschaftliche Angelegenheit aller Völker
unseres Welttheils sey. Von ihr hängt die Wohlfart der großen Mehrheit aller Nationen
Europa’s, von ihr die Ruhe und das Glück des ganzen Welttheild selbst ab. Auch Frankreich
kann vor der Befreiung und Wiedererstehung Deutschlands Freiheit, Glück und Frieden in
dauerhafter Weise nie erlangen, weil die unvereinbarlichen Principien von Volkshoheit und
dem Königthume des göttlichen Rechts zwischen Frankreich und den deutschen Königen
ewige Reibung erzeugen und einen Kampf entzünden müßen, dem nur mit dem
entscheidenden Siege des vernünftigen Princips, also dem Triumphe der Volkshoheit in
Deutschland, definitiv ein Ziel gesetzt werden kann. Wenn demnach die Reform Deutschlands
so sehr im Interesse Frankreichs liegt, so scheint es natürlich, daß die deutschen Patrioten in
ihrem schweren und ungleichen Kampfe gegen die Verräther ihres Vaterlandes ihre Hoffnung
vorzüglich auf Frankreich setzten sollten. Man sollte meinen, unsere französischen Nachbarn
müßten dem großen Werk der deutschen Reform wegen der davon abhängenden
Reorganisation Europa’s frei von allem Eigennutze und insbesondere frei von
Vergrößerungssucht, aufrichtig und uneigennützig ihre volle Unterstützung widmen. Leider
dürfen wir aber dieser Hoffnung uns noch nicht ergeben. Die gegenwärtig in Frankreich
herrschende Parthei, gestützt auf die ganze Masse der Reichen und Wohlhabenden, will um
jeden Preiß den Frieden erhalten. Ihr ist es nur um kleinliche materielle Interessen zu thun, sie
begreift das wahre Bedürfniß Europa’s so wenig, als die Aufgabe des Jahrhunderts. Sie ist
insbesondere völlig unfähig, sch zu der Idee zu erheben, daß Frankreich die Reform
Deutschlands aus höheren politischen Rücksichten völlig eigennützig unterstützen müsse.
Könnte daher diese Parthei auch zu einer Unterstützung der Bewegung in Deutschland sich
entschließen, so würde sie das linke Rheinufer als den Preiß ihrer Hülfe fordern. Außer den
Carlisten, welche hier in keine Erwägung gezogen werden können, kämpft gegen die
herrschende Parthei in Frankreich eine zweifache Opposition, nämlich die Propaganda und
die Republicaner. Letztere sind aber größtentheils mittellos, daher von den Wahlen und von
dem Antheile an der Repräsentation völlig ausgeschlossen. Auf friedlichem Wege kann
deßhalb diese Parthei niemals an die Spitze der Geschäfte treten. Würde demnach eine
Veränderung des Regierungssystems in Frankreich von der Opposition auch durchgesetzt, so
geschähe dieß höchstens im Sinne der Propaganda. Diese Parthei will die Freunde der Freiheit
in anderen Ländern allerdings thätig unterstützen, allein sie fordert als Preiß der Hülfe
ebenfalls das linke Rheinufer. Nur die Republikaner, insbesondere die Gesellschaft der
Volksfreunde ( Société des amis du peuple) haben reinere patriotische Grundsätze und legen
auf die Eroberung der Rheingrenze einen geringen Werth oder verlangen sie gar nicht. Allein
ohne eine Staatsumwälzung, wozu noch lange keine Aussicht gegeben ist, kann diese Partei
nicht zur Herrschaft gelangen und wenn dieß auch der Fall wäre, so ist die Begierde nach dem
linken Rheinufer der großen Mehrheit des französischen Volkes doch so sehr zur anderen
Natur geworden, daß das kleine Häuflein hellsehender Kosmopoliten dem allgemeinen
Nationalwunsche nicht wiederstehen könnte, wenn bei einem Kriege, einer gewaltsamen
Umwälzung oder irgend einer Katastrophe in Deutschland zur Eroberung der Rheingrenze
Gelegenheit gegeben wäre, oder wenn Frankreich dadurch wohl gar in den Besitz des linken
Rheinufers zufällig kommen sollte. Von Frankreich haben wir daher im dem Kampfe um
unser Vaterland wenig oder keine Hülfe zu erwarten. Denn, daß wir um den Preiß einer neuen
Entehrung, nämlich der Abtrennung linken Rheinufers an Frankreich, selbst die Freiheit nicht
erkaufen wollen, daß vielmehr bei jedem Versuche Frankreichs, nur einen Schollen deutschen
Bodens zu erobern, auf der Stelle alle Opposition im Innern schweigen und ganz Deutschland
gegen Frankreich sich erheben müßte und werde, daß die Befreiung unseres Vaterlandes
vielmehr umgekehrt die Wiedervereinigung von Elsaß und Lothringen mit Deutschland
wahrscheinlicherweise zur Folge haben werde, über alles dieß kann unter Deutschen nur eine
Stimme herrschen.
Hoffe man daher nichts von einer Unterschätzung Frankreichs. Fürchte man solche
vielmehr, wenn sie eine Maßregel des Gouvernements werden sollte. Denn in diesem Falle
hat eine Bewegung Frankreichs zu Gunsten der deutschen Patrioten einen Krieg gegen
Oesterreich und Preußen zur Folge, in welchem die kleinen deutschen Mächte augenblicklich
auf die Seite Frankreichs treten würden, wenn das günstige Kriegsglück gegründete Hoffnung
zur Eroberung darbietet. Baiern, das in einem solchen Falle auf die anderen kleinen Fürsten
einen großen Einfluß erlangt, verwünscht seine Besitzung am Rheine und trachtet
sehnsuchtsvoll nach Wiedererlangung von Salzburg, Tyrol und dem Innviertel. Sachsen ist
über die Grausamkeit, mit der man das Land zerrissen und verkauft hat, immer noch erbittert,
und wird jede Gelegenheit seiner Wiedervereinigung mit Eifer ergreifen. Sobald daher in
einem Kriege gegen Oesterreich und Preußen für Frankreich nur irgend eine
Wahrscheinlichkeit des Sieges vorhanden ist, treten Baiern, Sachsen, Würtemberg, Baden
u.s.w. der Vergrößerungssucht wegen auf die Seite Frankreichs, und es wiederholt sich die
alte Geschichte des Rheinbundes. Dann ist aber nicht blos Deutschland unglücklicher als je,
sondern auch das große Werk der europäischen Reorganisation auf lange Zeit wieder
hinausgeschoben. Aus allen diesen Gründen dürfen denn die deutschen Patrioten auf die
Hülfe Frankreichs nicht allein keine Hoffnung setzten, sondern sie müßen auch die Pläne
Frankreichs aufmerksam beobachten, vor allem aber in ihr politisches Glaubensbekenntniß
den Satz aufnehmen:«Selbst die Freiheit darf auf Kosten der Integrität unseres Gebietes nicht erkauft
werden; der Kampf um unser Vaterland und unsere Freiheit muß ohne fremde
Einmischung durch unsere eigene Kraft von innen heraus geführt werden, und die
Patrioten müßen in dem Augenblicke, wo fremde Einmischung statt findet, die
Opposition gegen die inneren Verräther suspendiren und das Gesammtvolk gegen den
äußeren Feind zu den Waffen rufen.»
Diejenigen, welche ihre Hoffnung lediglich auf die Hülfe Frankreichs setzen, werden
bei solchen Grundsätzen an jedem Erfolge der deutschen Opposition zweifeln. Deßungeachtet
wird das große Werk auch auf diesem, unsere Nationalehre rettenden Wege zu Stande
kommen. Das Mittel liegt in einem Bündnisse der Patrioten zum Zwecke der Belehrung des
gesammten deutschen Volkes über die Art und Weise der nothwendigen Reform
Deutschlands. Der Vaterlandsverein war bei seiner Gründung für diesen Zweck bestimmt.
Wie aber derselbe inzwischen sich gestaltet hat, kann er den großen Zweck der Wiedergeburt
des Vaterlandes nicht mehr erreichen, weil die Mitglieder desselben, und namentlich die
Vorsteher den Zweck einer klar erkannten, bis in die Details genau bestimmten und
consequent zu verfolgenden Reform Deutschlands entschieden abläugnen und dem Vereine
dafür den vagen und unbestimmten Zweck unterschieben, für die freieste Entwicklung
patriotischer Gedanken über die Mittel zur Förderung des Wohls der deutschen Völker, die
Unterstützung der ganzen Nation in Anspruch zu nehmen. Der Verein kann in einer solchen
Weise zwar auch nützlich seyn, allein den Zweck der deutschen Reform vermag er nie zu
erreichen. Die Sehnsucht nach einem bessern politischen Zustande ist nämlich bei uns fast
überall laut geworden. Allein gerade über die Hauptsache, d.h. worin das Bessere bestehe,
darüber ist noch Niemand einig, nicht einmal die Häupter der Opposition. So lange ein
solcher Zustand besteht, ist die Opposition selbst planlos, und muß nothwendig zur
Verwirrung Anlaß geben. Aus diesen Gründen sind alle gegenwärtigen Bestrebungen und
Aufopferungen der Opposition wirkungslos, und werden es so lange seyn, bis deren Häupter
über die Art und Weise der nothwendigen Reform Deutschlands bis in die Details sich
verständigt haben, und nun nach einem festen Plane und unter sicherer Leitung gemeinsam
dahin wirken, für diese Reform die öffentliche Meinung aller deutschen Volksstämme zu
gewinnen. So lange dieß nicht geschieht, fehlt es der Opposition an einem Inhaltspunkte; man
streitet sich planlos herum, erbittert und entzweiet, und reißt ein, ohne zu wissen was an die
Stelle des Alten treten soll. Plan- und zwecklos, ist eine solche Opposition unfähig, die
Ereignisse zu leiten, wird vielmehr völlig von den Umständen beherrscht, und kann leicht das
Schicksal erfahren, gerade das befördert zu haben, was sie vermeiden und abstellen will,
nämlich die Zerstückelung und dadurch das Unglück Deutschlands. Wenn dagegen die
reinsten, fähigsten und muthigsten Patrioten über die zweckmäßigste Reform unseres Landes
sich verständiget und zugleich sich verbunden haben, um durch eigene Journale die
öffentliche Meinung des Gesammtvolkes für diese Reform zu gewinnen, wenn auch nur 20 an
Geist, Feuereifer und Charakter ausgezeichnete Männer einen solchen Bund geschlossen und
nun dem guten Volke die unabweisliche Nothwendigkeit seiner politischen Veredlung, sowie
das dringende Bedürfniß der durchgreifenden Reform des Vaterlandes täglich mit
Flammenzugen in das Herz schreiben, wenn solche Männer den Nationalstolz, das Gefühl der
Bürgerwürde und die Flamme der Freiheitsliebe durch die Gluth begeisternder Rede in allen
deutschen Gauen erwecken, wenn nur 20 solche Männer, zu einem geregelten
Zusammenwirken verbunden und von einem Manne ihres Vertrauens geleitet, der Nation das
schöne Schauspiel eines gottbegeisterten Kampfes für das Vaterland, für unser angebetetes,
dreimal herrliches Deutschland täglich vor Augen stellen, wenn sie in ihrer Sendung nie müde
werden, nie erzittern, nie erbleichen, wenn sie alle Verfolgungen von Seite der
Vaterlandsverräther mit Freudigkeit ertragen, wenn sie der Gewalt kein haarbreit weichen und
lieber 1000mal sich zermalmen lassen, als von ihren heiligen Kampfe abzustehen, wenn
endlich die guten Bürger in den lichtern Gegenden unseres Landes das Wirken solcher
Männer durch Verbreitung deren Schriften öffentlich oder im Stillen unterstützen; ja fürwahr,
dann wird, dann muß das große Werk gelingen, die verrätherische Gewalt wird von der Weihe
der Vaterlandsliebe und der Allmacht der öffentlichen Meinung in, den Staub sinken,
Deutschland wird die Freiheit und den Frieden sehen, es wird zur herrlichsten macht und
Größe emporblühen. Niemand kann hieran zweifeln, der die Macht der Presse kennt, und der
erwägt welche ungeheure Wirkung dieselbe schon binnen wenigen Monaten hervorzubringen
im Stande war.
Darum deutsche Patrioten wollen wir die Männer wählen, die durch Geist, Feuereifer und
Charakter berufen sind, das große Werk der deutschen Reform zu beginnen und zu leiten; wir
werden sie leicht finden und dann auch durch unsere Bitten bewegen, den heiligen Bund
sofort zu schließen und ihre bedeutungsvolle Wirksamkeit sofort zu eröffnen. Dieser schöne
Bund möge dann das Schicksal unseres Volkes leiten; er möge unter dem Schirme der
Gesetze den Kampf für unsere höchsten Güter beginnen, er möge unser Volk erwecken, um
von innen heraus, ohne äußere Einmischung, die Kraft zu Deutschlands Wiedergeburt zu
erzeugen; er möge auch zu gleicher Zeit mit den reinen Patrioten der Nachbarländer sich
verständigen, und wenn ihm Garantien für die Integrität unseres Gebietes gegeben sind, dann
möge er immerhin auch die brüderliche Vereinigung suchen, mit den Patrioten aller Nationen,
die für Freiheit, Volkshoheit und Völkerglück das Leben einzusetzen entschlossen sind.
Hoch! dreimal hoch leben die vereinigten Freistaaten Deutschlands! Hoch! dreimal hoch das
conföderirte republikanische Europa!


Nach: Johann Georg August Wirth: Das Nationalfest der Deutschen zu Hambach. Neustadt
a.H. 1832 (Nachdruck Neustadt 1981), S. 31-41.

Quelle: http://www.demokratiegeschichte.eu/filea...__Material_.pdf


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